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am 9. Dezember 2014

Solidarität ist alles, was uns bleibt!

- Lisa Mittendrein hinterfragt in ihrem Buch, ob sich am Beispiel Griechenland in der Krise Alternativen zum Kapitalismus abzeichnen könnten. Ihr Interessensgebiet ist dabei die Solidarische Ökonomie. FrauenArgumente hat sie zu ihren Erfahrungen befragt.

FrauenArgumente: Du bist im Jahr 2012 mehrmals in Griechenland gewesen. Welche Projekte solidarischer Ökonomie hast du dort kennengelernt?

Lisa Mittendrein: In Griechenland gibt es schon länger vielfältige selbstverwaltete Projekte, seit Beginn der Krise und der Kürzungspolitik gab es aber eine regelrechte Explosion. In dieser Situation verschwimmt auch die Grenze zwischen selbstverwaltetem Arbeiten und Leben auf der einen, und klassischer Solidaritäts- oder Unterstützungsarbeit auf der anderen Seite. Ein gutes Beispiel dafür sind die sozialen Apotheken und Kliniken, die die steigende Anzahl nicht-versicherter Menschen in Griechenland medizinisch versorgen - und das oft selbstverwaltet. Sehr verbreitet sind inzwischen auch Umsonstläden, Gemeinschaftsgärten, kollektiv geführte Geschäfte oder Cafés und soziale Zentren. Soziale Zentren sind Räume, die von Aktiven aus der Nachbarschaft selbst verwaltet werden und wo Veranstaltungen, Kurse, Kinderbetreuung, Nachhilfe, politische Diskussionen und vieles mehr stattfinden. Sehr bekannt ist außerdem die selbstverwaltete Fabrik VIOME, die inzwischen von den ArbeiterInnen selbst kontrolliert wird.

FrauenArgumente: Sind die Initiativen eher kleine Nischenprojekte, oder haben sie Breitenwirkung bzw. könnte man sagen, sie sind mittlerweile von ökonomischer Bedeutung?

Lisa Mittendrein: Ich denke es gibt beides. Einige Projekte haben eine enorme Reichweite, wie beispielsweise die soziale medizinische Versorgung, Initiativen die versuchen Lebensmittel „ohne Handel“ an die Haushalte zu vermitteln oder auch der ganze Bereich der Umsonstökonomie. In Umsonstläden werden gebrauchte Waren ohne Gegenleistung weitergegeben. Umsonstmärkte locken teilweise tausende BesucherInnen an und Online-Schenkbörsen haben zehntausende Mitglieder.

FrauenArgumente: Sind die Projekte fremdfinanziert? Stützen beispielsweise Wohlhabendere die Projekte?

Lisa Mittendrein: Hier gibt es sicher eine ganze Bandbreite - im Detail kann ich dazu aber leider nichts sagen. Ich denke, der Großteil der Projekte ist selbstfinanziert und basiert auf ehrenamtlicher Arbeit. Einige Projekte werden von Solidaritätsinitiativen in anderen Ländern unterstützt, so gibt es beispielsweise in Österreich eine Kampagne zu Gunsten der Klinik der Solidarität in Thessaloniki.

FrauenArgumente: Wie hast du bei deinen Besuchen und Recherchen die Rolle der Frauen in den Projekten wahrgenommen?

Lisa Mittendrein: Ich würde sagen geteilt. Einerseits sind Frauen sehr stark in den Projekte aktiv, übernehmen viel Verantwortung, initiieren und gestalten. Auf der anderen Seite sind manchmal nach außen Männer sichtbarer, gerade wenn es um öffentliche Auftritte oder Interviews auf Englisch geht.

FrauenArgumente: Wie schätzt du die gesellschaftliche Stimmung in Bezug auf eine radikale Veränderung in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern in Europa ein? Sind wir bereit Neues auszuprobieren und zu fördern?

Lisa Mittendrein: Ich denke, es gibt derzeit gerade in Spanien und Griechenland großen Druck für radikale Veränderungen, der tief in der Gesellschaft verankert ist. Die Menschen haben jahrelang mit Massenprotesten, Initiativen gegen Zwangsräumungen, Solidaritätsprojekten, etc. Widerstand geleistet und die Regierenden haben außer mit Repression nicht darauf reagiert. Die Desillusionierung mit dem alten politischen System führt dazu, dass in beiden Ländern mit Syriza und Podemos inzwischen große neue Linksparteien existieren, denen im nächsten Jahr enorme Wahlerfolge vorausgesagt werden. In Österreich gibt es keine vergleichbaren Bewegungen oder sozialen Kämpfe und auch die Stimmung ist eine andere. Aber wer weiß - ich denke die Beispiele aus Südeuropa können uns auch inspirieren und stärken.

Das Interview hat Sabine Traxler geführt.

Zur Person:

Lisa Mittendrein ist Soziologin und Sozioökonomin. Ihre Diplomarbeit widmete sie der Solidarischen Ökonomie in der griechischen Krise. Sie ist im Attac–Vorstand aktiv und Mitarbeiterin der GBW.

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